Kreislaufwirtschaft von Kunststoff bedeutend für Klimaziele

Durch hochwertiges Recycling von Kunststoffen kann der größte Teil der Emissionen aus der konventionellen Produktion und Verbrennung vermieden werden, so ein Bericht des Instituts für Klimapolitik des DIW.

„Plastik verursacht nicht nur bei der Produktion erhebliche Treibhausgasemissionen: Etwa zwei Drittel des Kunststoffabfalls werden aktuell mit hohem CO2-Ausstoß verbrannt. Die Klimaziele können nur erreicht werden, wenn ein deutlich höherer Anteil wiederverwertet wird.“, äußerte sich Xi Sun, eine Autorin des Berichts zum Recycling von Kunstoffen der Abteilung Klimapolitik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Faktor 2:1 bei den CO2-Emissionen

Der Bericht zeigt die Rahmenbedingungen auf, die qualitativ hochwertiges Recyceln von Kunststoffen verhindern und gibt konkrete Maßnahmenvorschläge, wie dieser Gesamtprozess optimiert werden kann. Vor allem die Kunststoffproduktion und –verbrennung verursachen hohe CO2-Emissionen. Die Herstellung einer Tonne Kunststoff erzeugt zwei Tonnen CO2-Emissionen. Die Verbrennung verursacht mit 2,7 Tonnen CO2-Emissionen sogar nochmal knapp 50 Prozent mehr. Daher ist es wichtig die Kreislaufwirtschaft zu optimieren. So ließe sich dieser Ausstoß durch das Schließen und die Verlangsamung von Materialkreisläufen minimieren.

Nachholbedarf beim Recyceln in Deutschland

Dafür notwendig ist eine Verlängerung des Lebenszyklusses der Produkte, eine erhöhte Materialeffizienz und eine verstärkte Wiederverwertung. Das daraus resultierende Potenzial ist jedoch zum Großteil noch nicht ausgeschöpft. In Deutschland werden weniger als 20 Prozent des bei Endverbrauchern anfallenden Kunststoffabfalls tatsächlich recycelt. Hinzu kommt, dass sich die Recycling-Qualität zumeist noch auf einem sehr niedrigen Niveau befindet.

Die Autoren des Berichts machen dafür die Rahmenbedingungen für drei Hauptmärkte der Kreislaufwirtschaft verantwortlich:

  • Den Grundstoff-,
  • den Konsumgüter- und
  • den Abfallgütermarkt.

Auf dem Grundstoffmarkt ist die größte Hürde für hochwertig recycelte Kunststoffe der hohe Preis. Bis auf den Umweltgendanken gibt es aktuell keinen Anreiz, diese Kunststoffe den Primärkunststoffen vorzuziehen.

Auf dem Konsumgütermarkt verhält es sich ähnlich. Verpackungshersteller haben derzeit keinen Anreiz, ihre Verpackungen recycelbar herzustellen, denn Verbraucher achten beim Kauf noch immer eher selten auf diese Komponente, vor allem, da es ihnen keinen preislichen Vorteil verschafft.

Der Abfallgütermarkt bietet den Verbrauchern aktuell ebenfalls keinen Anreiz, auf Mülltrennung zu achten. Demnach bleibt die Anstrengung eines hochwertigen Recyclings beim Abfallbehandler.

Lösung: Klimabeitrag?

Konkrete Lösungsvorschläge äußern die Autoren zum Beispiel in der Einführung eines Klimabeitrages im europäischen Emissionshandel vor. Dieser solle auf die Produktion von Grundstoffen, also auch Grundchemikalien, auf dem Niveau der Emissionsintensität konventioneller Produktion und des ETS-Emissionspreises erhoben werden. Um eine Doppelbepreisung zu vermeiden, könnten konventionelle Produktionsprozesse kostenlose CO2-Zertifikate erhalten, wenn sie einen Übergangsplan zu klimaneutralen Prozessen verfolgen. Mehrkosten klimaneutraler Produktionsprozesse könnten mit CO2-Differenzverträgen aus den Erträgen des Klimabeitrages finanziert werden.

Deklaration aller Zusatzstoffe gefordert

Um weiterhin die Recycling-Quote zu erhöhen, brauche es außerdem klar definierte Produktstandards und Anreize, zuverlässige Informationen über die Umweltauswirkungen sowie die Anregung von nachhaltigen Investitionen in Recyclingtechnologien. Eine gesetzliche Beschränkung auf wenige Zusatzstoffe könnte außerdem dazu verhelfen, ein hochwertiges Recycling zu ermöglichen. Denn aktuell werden viele Zusatzstoffe beigemischt, die etwa für Flexibilität, thermische Stabilität sowie Durchlässigkeit sorgen. Nach diesen Zusatzstoffen lassen sich die Abfallströme jedoch nicht sortieren, sodass bereits ein geringer Anteil einer Beimischung zur Verunreinigung der Abfallströme führt.

Deutlich wird, dass nicht ein Marktteilnehmer allein ein hochwertiges Recycling leisten kann, sondern vielmehr alle Marktteilnehmer entlang der Kreislaufwirtschaft ihren Teil zu einem optimierten Recycling-Verfahren beitragen müssen. Doch dazu bedarf es unter anderem neuer Anreize der Politik.